Der blaue Regenschirm von Seattle

von Silke Spielmans

Meine Zeit bei der Agrar Koordination war relativ kurz. Von November 1998 bis April 2000 habe ich im Projekt „Agrarhandel anders gestalten“ mitgewirkt. Es war eine sehr spannende und lehrreiche Zeit für mich. Vieles habe ich noch eindrücklich in Erinnerung. Vor allem das Scheitern der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation Anfang Dezember 1999 in Seattle. Zur Erinnerung habe ich den kleinen blauen Regenschirm bis heute behalten.

In unserem Projekt ging es darum, die Auswirkungen der ungleichen Machtverhältnisse im Agrarhandel auf die Länder des Südens aufzuzeigen. Die Agrarhandelspolitik der EU war gekennzeichnet durch hohe Zölle auf verarbeitete Waren einerseits und einer aggressiven Exportpolitik für Überschüsse andererseits. Leider hat sich daran bis heute kaum etwas grundlegend geändert. Von fairen Handelsbeziehungen sind wir weit entfernt.

Die Zeit bei der Agrar Koordination ist mein einziger Ausflug in die Welt der NGO geblieben. Nach weiteren kleinen Ausflügen, in die Verwaltung, den Bundestag, die Wissenschaft, arbeite ich seit nunmehr dreizehn Jahren als Referentin für Umwelt und Landwirtschaft bei der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag Schleswig-Holstein.

Dabei begegnen mir ähnliche Debatten wie schon vor 23 Jahren. Immer noch, oder wieder, wird argumentiert, wir könnten uns mehr Naturschutz nicht leisten, denn wir müssten die Welt ernähren. Gentechnische Züchtungsverfahren und synthetische Dünger seien die Schlüssel zur Bekämpfung des Hungers. Anstatt agrarökologische Verfahren anzuwenden und den natürlichen Weg der Stickstoffbindung durch Leguminosen zu nutzen, wie es der Ökologische Landbau vormacht, soll die enorm klimaschädliche Stickstoffdüngerproduktion jetzt durch Wasserstoff decarbonisiert werden.

Fazit: Die Mühlen in der Politik mahlen langsam. Und so manches Mal geht es einen Schritt vor und zwei zurück.

Zur EU Agrarpolitik gibt es eine Bildungsmappe bei uns.

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