Wie alles begann

von Jutta Borchert 
Im Jahr 1980 brachte der Dokumentarfilmer Peter Krieg den Film „Septemberweizen“ heraus. Exemplarisch wurde am Beispiel des US-amerikanischen Weizens gezeigt, wie dieser den Weltmarkt bestimmt, wie Weizen zur Waffe wird, wie aus Überfluss Hunger entsteht. Der Film fand große Resonanz bei entwicklungspolitischen Gruppen. Der BUKO beschloss daher auf seinem Kongress im Jahr 1981 die Einrichtung einer „Agrarkoordination“, die sich dieser Thematik annehmen sollte. Diese wurde 1983 in Hamburg eingerichtet. Unsere erste große Aktion war die im Jahr 1985 gestartete Futtermittel-Kampagne. Thematisiert wurde, dass ein Großteil des weltweit geernteten Getreides im Futtertrog landet. Dazu gehörte eine intensive Beschäftigung mit der EG-Agrarpolitik und eine entwicklungspolitische Kritik dazu zu formulieren. Dies geschah in dem 1987 erschienenen Buch „Wer Hunger pflanzt und Überschuß erntet“.

Es war naheliegend, das Bündnis mit anderen Gruppierungen zu suchen, die ebenfalls die EG-Agrarpolitik aus der je eigenen Perspektive kritisierten: Umwelt- und Verbraucherschutz- sowie agraroppositionelle Verbände. So entstand das Agrarbündnis: zu Beginn mit 4 Verbänden – heute umfasst es 26 Mitgliedsverbände mit zusammen mehr als zwei Millionen Mitgliedern.

Die BUKOAgrarkoordination war an der Schnittstelle von Agrar- und Entwicklungspolitik angesiedelt. Es gab Länderschwerpunkte, als auch Produktschwerpunkte und übergeordnete Themen wie Welthandel, Grüne Revolution, Kooperationsabkommen zwischen der EU und den Ländern des Globalen Südens. Die Themen, die heute diskutiert werden, hatten wir auch damals schon im Fokus. Insbesondere die ökologische und soziale Problematik einer industriellen, wachstums- und exportorientierten Landwirtschaft. Neue Impulse kommen immer wieder dazu: die Nachhaltigkeitsdebatte, der Klimaschutz – und heute, aus dem feministischen Diskurs kommend, die Diskussion um Sorgearbeit. 

Für mich ist die Schlussfolgerung aus all den Debatten: Agrikultur ist Sorge-Arbeit um Boden, Pflanzen und Tiere. Wenn das einmal in der Tiefe verstanden wird, geht es nicht mehr um Preise, Ausgleichszahlungen, Grenzwerte etc., sondern um eine radikale Umgestaltung unserer Gesellschaft, im Mittelpunkt steht, das sich-kümmern um Menschen und Lebensgrundlagen. Auf diesem Weg haben wir noch viel zu tun.

Wir arbeiten immer noch zum Thema Futtermittel

 

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