Es geht um nichts anderes als um das Überleben

von Alfons Üllenberg

Eines Tages, im April 1994 lief ich in Hamburg Altona durch die W3 (Werkstatt für internationale Kultur und Politik), und mein Blick blieb beim Namen „BUKO Agrarkoordination“ hängen. Hier war ich richtig! Agrarhandelsthemen wie Futtermittelimporte, Kaffee oder Bananen waren spannende Themen, zumal ich mich immer schon daran gestört hatte, dass mein Vater die Schweine mit importiertem Sojaschrot mästete. 

Ich habe mich dann mit der Novellierung der EU Schokoladenverordnung beschäftigt. Ziel der Kakao-Kampagne war es, die Verwendung anderer, kostengünstigerer Fette und Öle in der Schokoladenproduktion zu verhindern, was zu einem plötzlichen Preisverfall von Kakao geführt hätte.

Während der Arbeit bei der Agrarkoordination habe ich großartige, engagierte Leute kennengelernt, von denen ich viel gelernt habe. Neben Jürgen Knirsch, der später zu Greenpeace ging, auch mit dem Agrarhandelsexperten Tobias Reichert, heute Germanwatch, der Biodiversitätsspezialistin Irene Hoffmann, heute FAO, und viele andere. Durch meine intensive Auseinandersetzung mit entwicklungspolitischen Themen habe ich mein Bewusstsein für die Ungerechtigkeiten in der Welt weiter geschärft und zahlreiche Zusammenhänge sind mir klarer geworden, wie z.B. die negativen Auswirkungen der grünen Gentechnik oder die zunehmende Machtkonzentration der Unternehmen im Agrar- und Lebensmittelhandel. Aber auch die große Bedeutung von Biodiversität und Sortenvielfalt auf dem Acker. 

Letzteres wurde mein nächster Arbeitsschwerpunkt – und in einer Kooperation mit dem Forum Umwelt und Entwicklung organisierten wir eine große internationale NGO-Konferenz anlässlich der FAO-Konferenz zur Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen. Es war hochspannend, all die verschiedenen Expertinnen und Experten aus Nord und Süd kennenzulernen. Denn es gab etwas, was mir in der Agrarkoordination fehlte: der direkte Kontakt mit den Menschen aus dem globalen Süden. 

Nach rund 15 Jahren Erfahrung als Berater für Entwicklungsorganisationen besonders in Afrika, stimme ich der grundsätzlichen inhaltlichen Kritik der Agrarkoordination weiterhin zu.

Gerade die internationale Agrarhandelspolitik trägt dazu bei, Abhängigkeiten zu verstetigen und Entwicklungspotentiale in Afrika und Lateinamerika zu hemmen, anstatt sie zu fördern. Das Thema Agrarhandel hat sich in der Agrarkoodination von Beginn an wie ein roter Faden durchgezogen. Selbst wenn der Schwerpunkt ein anderes Thema war, so gab es immer auch einen Bezug zum Thema Handel - und das ist gut so.

Unser aktuelles Projekt zum Thema Agrarhandel mit Kaffee gibt es hier

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