Biopoli Ausstellung: Schautafel 8

Der Konflikt: Wem gehört die Saat? - Bauern und Bäuerinnen? Indigenen Gemeinschaften? Konzernen? Staaten? Allen? Niemandem?

 

Die Suche nach Pflanzen und Genen ist BIG Business und die Domäne von Staaten und multinationalen Konzernen. Genetische Ressourcen auf Feldern und in der Natur werden umso wertvoller je mehr die Vielfalt schwindet. Konzerne suchen "brauchbare" Eigenschaften (wie Süße, Farbe, Krankheitsresistenz) und patentieren zugrunde liegende Gensequenzen als ihre "Erfindung". In neuen Sorten werden sie zurück in die Länder des Südens verkauft bzw. Lizenzgebühren erhoben. Es geht um Millionen $US und um das "Erbe der Menschheit".

Bei der Forderung nach kommerziellen Besitzansprüchen auf Pflanzen, Tiere oder dem Wissen über ihre Verwendung prallen zwei völlig gegensätzliche Wertesysteme des Südens und des Nordens aufeinander:

 

Die Vorstellung vieler indigener Völker und Kleinbauern in den Ländern des Südens von Besitz ist völlig anders als die nördliche Eigentumskonzeption. Indigene sehen sich als Teil der biologischen Vielfalt, als ihr Hüter und nicht ihr Besitzer. Dieses indigene und kleinbäuerliche Weltbild des kollektiven Eigentums im Süden ist eng verbunden mit der Anerkennung ihrer Rechte an Land bzw. Territorium und kultureller Identität. Die Vorstellung eines privatwirtschaftlichen Besitzrechtes in Form von Patenten oder ähnlichen Systemen ist nicht vereinbar mit ihrem kulturellen Wertesystem.

 

Als Biopiraterie bezeichnet man deshalb die unrechtmäßige Aneignung von geistigem Eigentum an traditionellem Wissen und genetischen Ressourcen in den Ländern des Südens für die kommerzielle Nutzung durch Universitäten, Konzerne der Agrarindustrie und pharmazeutische Unternehmen des Nordens. Rechtsansprüche werden durch weitreichende internationale Patente gesichert, die sich auch auf alle Nachkommen der patentierten Pflanzen beziehen - einschließlich der Prozesse ihrer Verarbeitung. Tausende Patente für praktisch alle wichtigen Kulturpflanzen, Bodenmikroben, Heil- und Gewürzpflanzen liegen zum Antrag vor. Die Unrechtmäßigkeit muss in aufwendigen Rechtsprozessen bewiesen werden - dies können Kleinbauern, Indigene oder Entwicklungsländer als die betroffenen Schwächeren selten leisten!

 

Kein Patent auf Leben! ist deshalb die Forderung vieler Nichtregierungsorganisationen im Süden und im Norden denn:

  • Patente sind zu einem Instrument der Monopolbildung geworden
  • Patente auf Leben bedrohen die Ernährungssicherung weltweit
  • Patente auf Leben gefährden die biologische Vielfalt
  • Patente behindern die Forschung und Züchtung
  • Patente auf Leben setzen Leben mit technischen Erfindungen gleich
  • Patente arbeiten zu Gunsten der technologisch reicheren Länder: 90% aller Patente sind im Norden hinterlegt.

 

Auf die Hauptnahrungspflanzen Reis, Mais, Weizen, Soja und Sorghum wurden bereits 918 Patente erteilt. Reis, Weizen und Mais liefern 60% der Nahrung von 6 Mrd. Menschen.

 

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Termine

Mi 11.03.2020

Austellung "Land und Wirtschaft – wer erntet?" in Hamburg zu sehen

Vom 19.2. bis zum 11.3. ist die Fotausstellung im Weltcafé ElbFaire, Shanghaiallee 12, 20457 Hamburg (Hafencity) zu...

Fr 20.03.2020

Biopoli-Seminar vom 20.-22.3.20 in Hamburg

"Handwerkszeug für Zukunftshandeln"– Ökologischer Handabdruck und Nachhaltige Landwirtschaft mit Marie Heitfeld Fr.,...

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