Hauptaussagen und Forderungen des Weltagrarberichts

Der Weltagrarbericht fragt: "Was muss getan werden, um Fortschritte auch für die Menschen zu ermöglichen, die in Armut und Hunger leben?"

Intensive Landwirtschaft wird oftmals nicht nachhaltig betrieben und führt zu Umweltzerstörung und Gesundheitsschäden.

Trotz steigender Erträge hat sich weltweit die Zahl der Hungernden nicht verringert, sondern ist im Zuge steigender Nahrungsmittelpreise und Agrarspekulationen weiter angestiegen. Die weltmarktorientierte Landwirtschaft hat sich auf die Erzeugung einzelner Massengüter wie Soja, Mais und Raps verengt und verhindert eine lokal angepasste Nahrungserzeugung und Versorgung der Bevölkerung mit ausreichender und qualitativer Nahrung. Die massive Verwendung von Kunstdünger und Pestiziden wie beispielsweise Glyphosat belastet die Umwelt und gefährdet die Gesundheit. Diesen Weg weiterzugehen ist nicht nachhaltig und zukunftsfähig. Stattdessen muss ein Umdenken hin zu einer ökologischen Landwirtschaft unter Einbeziehung der Kleinbauern und familiengeführten Höfe stattfinden. Auch in Europa stehen Landwirte unter enormem Druck und verkaufen ihre Produkte oftmals unterhalb der Produktionskosten. Der Zwang zur Produktivitätssteigerung und Billigproduktion wächst. Hier muss gegengesteuert werden und Umweltleistungen der Landwirte müssen honoriert werden.

Hungerbekämpfung muss vor Ort stattfinden

Der Weltagrarbericht stellt fest, dass eine nachhaltige Hungerbekämpfung nur vor Ort und unter Einbeziehung der Kleinbauern erfolgreich sein kann. Kleinbäuerliche Strukturen sind demnach geeignet, um eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Lebensmittelversorgung aufzubauen. Zudem können lokal angepasste und widerstandsfähige Anbau- und Verteilungssysteme aufgebaut werden.

"Obwohl die Produktivität pro Fläche und Energieverbrauch in kleinen, diversifizierten Bauernhöfen viel höher ist als intensive Bewirtschaftungssysteme in bewässerten Gebieten, werden sie weiterhin von der offiziellen Agrarforschung vernachlässigt."

Laut Weltagrarbericht sind Investitionen in die kleinbäuerliche Produktion das dringendste, sicherste und erfolgreichste Mittel um Hunger zu bekämpfen und zugleich die ökologischen Auswirkungen der Landwirtschaft zu reduzieren. Denn, wo Kleinbauern genügend Land, Wasser, Geld und Handwerkszeug haben, produzieren sie einen deutlich höheren Nährwert pro Hektar als industrielle Landwirtschaft. Dabei verwenden sie in der Regel weniger Inputs und belasten die Umwelt weniger.

Wir brauchen einen pfleglichen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen

Wir wissen, dass die natürlichen Ressourcen der Erde endlich sind. Doch noch immer basiert in weiten Teilen der Welt der Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen auf der Vorstellung, dass diese unendlich und unempfindlich gegenüber der Ausbeutung durch den Menschen sind. Landwirtschaftliches Wissen muss entwickelt und eingesetzt werden, um diesem Raubbau entgegenzuwirken. Die natürlichen Ressourcen wie Wasser, Böden und die biologische Vielfalt müssen vernünftig genutzt werden und deren Erneuerung ermöglicht werden.

"Wir sollten agrikulturelle Erzeugung fördern, die weniger ausbeuterisch mit den natürlichen Lebensgrundlagen umgeht und Strategien zum Umgang mit Resilienz, Schutz und Regenerationsfähigkeit von Ressourcen unter Zuhilfenahme von innovativen Verfahren, Programmen, Politik und Institutionen entwickelt."

Ernährungssouveränität muss hergestellt werden

In vielen Ländern, in denen Hunger herrscht, ist die Landwirtschaft auf den Export einzelner Rohstoffe ausgelegt. In Brasilien, Argentinien und Paraguay beispielsweise wachsen die Sojamonokulturen, um als Tierfutter oder Energiepflanze in Europa und vermehrt auch China zu landen. Zu gleichen Zwecken werden in vielen Ländern Afrikas (Tansania, Mosambik, Kenia) große Landflächen aufgekauft und stehen der lokalen Nahrungsproduktion nicht mehr zur Verfügung.1 Diese Exportorientierung wirkt sich negativ auf die ländliche Entwicklung aus. Einen Ausweg sehen die AutorInnen des Weltagrarberichts in der Herstellung von Ernährungssouveränität. „Ernährungssouveränität wird als das Recht der Menschen und souveränen Staaten definiert, auf demokratische Weise ihre eigenen Agrar- und Ernährungspolitiken zu bestimmen.“ Dabei kann die Nutzung und Erhaltung des lokalen, traditionellen Wissens   Ernährungssouveränität- und sicherheit sowie Einkommen verbessern

Traditionelles und lokales Wissen stellt eine schier unermessliche Quelle gesammelten praktischen Wissens dar, das Entscheidungsträger nicht ignorieren können, wenn Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsziele erreicht werden sollen.

Agrobiodiversität nutzen und erhalten

Forschung und Entwicklung haben die traditionelle Erzeugung und Pflege der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft weitgehend ignoriert. Die Herausforderung besteht darin, diese diversifizierte Erzeugung von Lebensmitteln anzuerkennen, sie zu nutzen und zu erhalten. Eine Vielzahl von Naturprodukten kann vermarktet werden und ein Einkommen schaffen.

Wenn wir diese Vielfalt zurück auf unsere Teller bringen, kann auch Mangelernährung und schlechte Gesundheit entgegengewirkt werden.  Unsere Nahrung basiert zunehmend auf wenige Hauptnahrungspflanzen, so dass wichtige Mikronährstoffe, die über eine vielseitige, traditionelle Ernährung aufgenommen werden, verloren gehen.

Mehr Vielfalt in der Landwirtschaft macht Landwirte unabhängiger, sichert Einkommen, ist ein wichtiges Element in der Anpassung an den Klimawandel und liefert wichtige Nährstoffe.

 

AutorInnen: Mireille Remesch, Rebecca Zehr

 

Termine

Mi 11.03.2020

Austellung "Land und Wirtschaft – wer erntet?" in Hamburg zu sehen

Vom 19.2. bis zum 11.3. ist die Fotausstellung im Weltcafé ElbFaire, Shanghaiallee 12, 20457 Hamburg (Hafencity) zu...

Fr 20.03.2020

Biopoli-Seminar vom 20.-22.3.20 in Hamburg

"Handwerkszeug für Zukunftshandeln"– Ökologischer Handabdruck und Nachhaltige Landwirtschaft mit Marie Heitfeld Fr.,...

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