• Globale Landwirtschaft & Gerechtigkeit

Wer sind die Menschen hinter deinem Essen? 

Glänzend verpackt liegt die Tafel Schokolade im Supermarktregal - ohne groß Nachzudenken nehme ich sie mit. Geht man hierzulande in den Supermarkt sind die Regale meist prall gefüllt mit Lebensmitteln aus aller Welt. Oft durchläuft ein Lebensmittel viele Stadien bis es bei uns zuhause auf dem Teller landet. Das nennt man eine Lieferkette.  

Viele Menschen sind Teil einer Lieferkette.

Natürlich sind da zunächst einmal die Bäuer*innen oder Plantagenarbeiter*innen, die den Kakao anbauen und ernten. Doch auch die Landbesitzer*innen, die Produzenten von Düngemitteln und Pestiziden, die Großhändler und die Einzelhändler, wie die Supermärkte, bei denen du die Schokolade dann kaufst, sind Teil dieses Systems. 

Du siehst, damit die Tafel Schokolade bei dir zu Hause landet, braucht es viele Menschen, die sich den Schokoladenpreis teilen müssen. Doch wer bekommt wie viel von deinem Geld? Die Grafik zeigt das Beispiel einer Tafel Schokolade. Kostet die Schokolade 1,49€, bekommen die Bäuer*innen also nur knapp 10 Cent.


Wichtig zu wissen ist, dass der weltweite Kakaopreis in der Finanzwelt und nicht auf dem Feld bestimmt wird. Das heißt, dass Leute an den Börsen in New York oder London mit Lebensmitteln wie Kakao handeln und der Preis dadurch von Tag zu Tag schwankt. Einen Mindestpreis gibt es nicht, außer bei Fairtrade-Kakao. Produzent*innen müssen den Kakao sofort nach der Ernte verkaufen, egal wie niedrig der Preis, während große Firmen den Kakao oft lagern und warten, bis der Preis ansteigt, damit sie mehr verdienen können.

 

 

Eine große Rolle spielen auch SupermärkteSie bekommen ca. 45% des Gesamtpreises und die Spanne zwischen dem, was Arbeiter*innen und der Einzelhandel verdienen wächst. Konzerne wie Edeka, Rewe, Schwarz und Aldi haben in Deutschland und weltweit viel Macht. So kontrollieren diese vier Konzerne in Deutschland beispielsweise 70% des Marktes, durch diese sogenannte Marktkonzentration haben sie bei der Preisgestaltung viel zu sagen und üben oft Druck auf Produzent*innen aus immer mehr für immer weniger Geld zu produzieren.
Während Supermärkte und deren Eigentümer*innen immer reicher werden, arbeiten Menschen in der Landwirtschaft unter menschenunwürdigen Bedingungen für Löhne, von denen sie nicht gut leben können. Oxfam hat zum Beispiel errechnet, dass ein*e Arbeiter*in achteinhalb Millionen Jahre auf einer brasilianischen Kaffeeplantage arbeiten müsste, um das 24 Milliarden große Vermögen des Eigentümers der Schwarz-Gruppe zu verdienen. Ziemlich verrückt, oder? 

 

Doch es gibt auch Alternativen.
Das Fairtrade-Siegel kann dir beispielsweise beim Einkaufen zeigen, welche Schokolade unter besseren Bedingungen produziert wurde. Allerdings ist der Einfluss von Konsumentscheidungen eher gering und schließt Menschen aus, die sich die meist teureren Fairtrade Produkte nicht leisten können. Manche Labels sind auch wenig mehr als leere Versprechen von Unternehmen, die sich ein besseres Image erkaufen wollen (siehe unten).

Es ist also vor allem die Politik gefragt – in Deutschland und international.

Regierungen müssen Regeln schaffen, welche Unternehmen dazu verpflichten möglichst gute Bedingungen für Mensch und Planet zu ermöglichen. Ein Versuch ist das 2021 in Deutschland verabschiedete Lieferkettengesetz, das deutsche Firmen verpflichtet Menschenrechts- und Umweltstandards in Lieferketten einzuhalten. Ansonsten müssen Firmen Strafe zahlen. Doch es gibt Kritik an den vielen Schlupflöchern – beispielsweise müssen nur direkte Lieferanten kontrolliert werden und Verstöße am Anfang der Kette, z.B. auf den Kakaoplantagen, würden so oft ungestraft bleiben. Auch sind erstmal nur Firmen mit mehr als 3000 Beschäftigten betroffen.
Und wie hängt das jetzt mit dir zusammen? Wir alle sind Teil der Gesellschaft und gestalten Politik mit. Du findest Ausbeutung nicht cool und denkst alle Menschen sollten unter sicheren und fairen Bedingungen arbeiten können? Du findest, große Konzerne müssen mehr Verantwortung übernehmen? Dann rede mit Menschen in deiner Umgebung darüber, frag, woher das Essen in deiner Schule kommt, unterschreibe Petitionen und nimm an Protesten teil. Zeig der Politik, dass dir das Wohlbefinden von Menschen weltweit am Herzen liegt!

Text: Milena Garbers
Bilder: 
©rawpixel, INKOTA netzwerk, Milena Garbers

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