Frieden für landlose Bauern in Sicht?

Einsatz von Menschenrechtsbeobachtern auf der philippinischen Halbinsel Bondoc

Auf der philippinischen Halbinsel Bondoc ist die lokale Bauernorganisation KMBP tätig, um die landlosen Bäuerinnen und Bauern in ihrem Kampf um den Zugang zu einem Stück Boden zu unterstützen. Bei ihrem Einsatz müssen die BäuerInnen immer wieder gewaltsame Übergriffe und Schikanen der Großgrundbesitzer ertragen. Allein Seit 1998 sind vier lokale Bauernführer erschossen worden. Durch den Einsatz von internationalen MenschenrechtsbeobachterInnen, die eine neutrale Position in den Agrarkonflikten einnehmen, werden die philippinischen staatlichen Akteure nun unter Druck gesetzt, die Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden.

 

Die Lage der Pächter auf der Halbinsel Bondoc rund 200 km südlich von der Hauptstadt Manila ist erschreckend: Seit 1988 gibt es das staatliche Agrarreformprogramm CARP, dass jedem Pächter das Recht auf ein eigenes Stück Land von drei Hektar zuspricht. Viele Jahre sind seitdem vergangen doch das Gesetz ist an Bondoc weitestgehend spurlos vorbeigezogen. So erfuhren einige Bauerngemeinschaften, wie das Dorf Nilantangan, erst 2004 von diesem Recht auf eigenes Land. Seitdem versucht die Bauernführerin Maribel Luzara gemeinsam mit den anderen DorfbewohnerInnen aus der feudalen Abhängigkeit vom Landbesitzer auszubrechen und die Verfügungsgewalt über den Boden zu erlangen. Sie möchte selber darüber entscheiden, Mais anzupflanzen oder Schweine zu halten. Bisher mussten sie und die anderen Pächter zwei Drittel ihrer Ernte an den Landbesitzer abführen. Dieser bestimmte was zu produzieren sei, doch alle anfallenden Kosten, wie den Einsatz von Erntehelfern, mussten die BäuerInnen selber tragen. Der Landbesitzer hat die Macht, den BäuerInnen zu verbieten, Subsistenzprodukte anzubauen oder Tiere zu halten.

Maribel Luzara und die anderen BäuerInnen organisieren sich in der Bauernorganisation KMBP (Vereinigte Bauern der Halbinsel Bondoc), in der sie ihr verbrieftes Recht auf eigenes Land einfordern. Sie nennen ihre Strategie „rightfull resistance“, da sich ihr Protest auf reale Rechte, wie die UN- Menchenrechtscharta und Gesetze, wie die philippinische Agrarreform bezieht.. Der überwiegende Teil der BäuerInnen aus den Dörfern unter den größten Feudalherren von Bondoc ist organisiert und folgt dieser Strategie. Ein weitaus kleinerer Teil der BäuerInnen zieht es vor, dem Willen des Landbesitzers zu folgen. Die BäuerInnen von KMBP werden durch bewaffnete Schlägertrupps des Landbesitzers schikaniert. Sie werden gewaltsam Überfallen, ihre Häuser werden niedergebrannt, die geernteten Kokosnüsse werden ihnen weggenommen und sie werden mit zahlreichen Gerichtsprozessen überzogen. Einige der BäuerInnen wie Luzara, wurden vom umstrittenen Land vertrieben und so ihrer Einkommensquelle beraubt. Viele Felder wurden zerstört. Manche der BäuerInnen sitzen seit Wochen oder gar Monate im Gefängnis und müssen hohe Kautionen zur Freilassung bezahlen. Die Übergriffe der Landbesitzer gehen soweit, dass einige Bauern aus der Region fliehen mussten und gipfelten in der Ermordung von bisher vier lokalen Bauernführern. Im südlichen Teil der Halbinsel Bondoc kontrollieren vier Landlords praktisch das gesamte Land. Außerdem bekleiden sie viele öffentliche Ämter und üben so auch die politische Kontrolle über die Region aus. Doch die BäuerInnen sind sehr gut organisiert und leisten gewaltfreien Widerstand auf verschiedenen Ebenen. Eine sehr erfolgreiche Aktionsform ist der Abgabenboykott der Ernte an die Landbesitzer. Im Mai erregten die Bauern durch eine andere, spektakuläre Aktion Aufmerksamkeit: Als Antwort auf eine Welle von Haftbefehlen gegen BäuerInnen, von der auch Luzara betroffen war, stellten sich 21 BäuerInnen und gingen freiwillig ins Gefängnis. Leider wurde aus dieser Aktion bittere Realität und sie blieben inhaftiert. 123 BäuerInnen waren allein im Monat Juni als Folge ihres Widerstandes im Gefängnis. 68 BäuerInnen, darunter 26 Kinder, flohen im Juli von der Halbinsel Bondoc und gingen nach Manila, wo sie für ihre Anerkennung als Binnenflüchtlinge kämpfen.

Die Bauernorganisation KMBP hat jetzt neutrale Hilfe von außen angefordert, die die Menschenrechtsverletzungen auf der Halbinsel Bondoc dokumentieren sollen. Die Gruppe IPON (International Peace Observers Network) aus Hamburg sendet ab Ende Oktober ein Team von BeobachterInnen nach Bondoc. Zu dem ersten Team gehören vier junge Leute aus Deutschland und Luxemburg, die für drei Monate Menschenrechtsverletzungen dokumentieren und die staatlichen Stellen in den Philippinen über diese in Kenntnis setzen. Für ihre Arbeit ist eine internationale Öffentlichkeit erforderlich: Alle vier haben einen breiten UnterstützerInnenkreis von Freunden, Verwandten, Politikern, NGO-VertreterInnen und Journalisten hinter sich stehen, über den sie die Menschenrechtssituation einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. So kann Druck auf die staatlichen Stellen ausgeübt werden, die Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden. Auf die Gewaltakteure selber hat die internatonale Präsenz eine abschreckende Wirkung.. Das IPON-Team sucht noch weitere Interessierte, die ab Januar für drei Monate als Menschenrechtsbeobachter tätig werden möchten (Kontakt: info.ipon[at]gmail.com; 040- 25 49 19 47).

06.09.2006
Von: Johannes Richter

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