Wie gefährlich ist Glyphosat für die Gesundheit?

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass Glyphosat schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und Tieren hat. Umfassende Informationen zu den Risiken von Glyphosat bieten folgende Publikationen:

Es gibt viele gesundheitliche Schäden, die mit Glyphosat in Zusammenhang gebracht werden. Wir stellen hier lediglich einige Ergebnisse einer kleinen Auswahl an Studien vor.

 

Glyphosat wirkt zell- und erbgutschädigend und fördert die Krebsentstehung 

  • Die Krebsforschungseinrichtung IARC (International Agency for Research on Cancer) der WHO hält Glyphosat, den weltweit meistverkauften Pestizidwirkstoff, für "wahrscheinlich krebserregend". Damit widerspricht die WHO der Einschätzung des BfR, die für die Risikobewertung zuständige deutsche Behörde. Eine Zusammenfasung der IARC-Bewertung wurde im Fachjournal "The Lancet" veröffentlicht. Die Glyphosatbewertung wurde von 17 Experten aus 11 Ländern vorgenommen, die sich ein Jahr lang mit den vorhandenen wissenschaftlichen Studien zu Glyphosat auseinandergesetzt haben. Eine ausführliche Bewertung der Expertengruppe zur Frage, ob Glyphosat Krebs auslöst, soll in einem IARC Monograph veröffentlicht werden.
  • Verschiedene Studien zeigen, dass Glyphosat erbgutschädigend auf menschliche und tierische Zellen wirkt (z.B. Koller et al, 2012).
  • DNA-Veränderungen erhöhen das Risiko, an Krebs zu erkranken (Hoeijmakers, 2001).
  • Eine Studie an Mäusen zeigte, dass Glyphosat Hautkrebs- fördernd wirkt (George et al 2009).        
  • In einer Langzeitstudie, bei der Ratten Roundup (Glyphosat-Produkt von Monsanto) verabreicht wurde, entwickelten vor allem weibliche Versuchstiere Tumore (Brustkrebs). Auch Hauttumore traten auf und bei den männlichen Tieren Leber- und Nierenprobleme (Seralini et al, 2012).
  • In der argentinischen Provinz stiegen parallel zur Ausbreitung von Plantagen mit gentechnisch verändertem, glyphosat-resistenten Soja die Krebsfälle. In der Stadt Leonesa traten zwischen 2000 und 2009 drei mal mehr Krebsfälle bei Kindern unter 15 Jahren auf als im Jahrzehnt davor. Wissenschaftler gehen von einem Zusammenhang mit dem zunehmenden Bespritzen der Plantagen mit Glyphosat aus (Bericht auf englisch).
  • Eine epidemiologische Untersuchung in den USA zeigte auf, dass das Anwenden von Glyphosat zu einem erhöhten Risiko führt, an einem Multiplen Myelom (Krebserkrankung des Knochenmarks) zu erkranken (De Roos et al, 2005).

 

Glyphosat verursacht Missbildungen bei Embryos und schädigt die Fortpflanzungsfähigkeit

Verschiedene Studien zeigen, dass Glyphosat- Produkte Missbildungen bei Embryos verursachen und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Hier eine Auswahl:

  • Eine Studie mit 1898 in der Landwirtschaft arbeitenden Paaren und 3984 Schwangerschaften zeigte einen Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit Glyphosat-haltigen Pestiziden und dem Auftreten von Fehl- und Frühgeburten (Arbuckle et al, 2001).
  • In der argentinischen Provinz Chaco hat sich zwischen 2000 und 2009 die Zahl der Missbildungen bei Neugeborenen vervierfacht. Experten gehen von einem Zusammenhang mit der zunehmenden Verwendung von Glyphosat-haltigen Pestiziden auf den Feldern mit gentechnisch verändertem Reis und Soja in dieser Region aus (mehr Infos).
  • Eine weitere argentinische Studie berichtet über das vermehrte Auftreten von Missbildungen in Cordoba, einer Provinz, in der besonders viel gentechnisch verändertes Soja angebaut wird (Paganelli et al, 2010).
  • Der Anbau von gentechnisch verändertem Soja ist in der Regel mit dem Einsatz von Glyphosat verbunden. Die beobachteten Missbildungen ähneln sehr stark den Missbildungen, die in Laborstudien durch Glyphosat ausgelöst wurden (Paganelli et al, 2010, Antoniou et al, 2010).
  • Eine Studie in Paraguay zeigte, dass Frauen, die in einem Radius von 1 Kilometer zu pestizidbesprühten Sojafeldern leben, eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit haben, ein Kind mit Missbildungen (v.a. Missbildungen des Schädels und des Gehirns) zu gebären (Bénitez-Leite et al, 2009).
  • Eine Studie des Unternehmens Feinchemie mit Hasen zeigte, dass die Verabreichung von Glyphosat zu hohen Zahlen von Fehlbildungen am Skelett und am Herz führt (unveröffentlichte Studie von Suresh, 1993, mehr Infos bei Antoniou et al, 2011).
  • Eine Studie der Unternehmen Monsanto und Cheminova an Ratten zeigte, dass Glyphosat zu Skelettmissbildungen führt (unveröffentlichte Studie von Tasker, E.J. and Rodwell, D.E., 1980; mehr Infos bei Antoniou et al, 2011)
  • Eine weitere Studie der Unternehmen Monsanto u. Cheminova an Hasen zeigte, dass die Verabreichung von Glyphosat bei trächtigen Hasen zu einer signifikanten Zunahme von Todesfällen bei Embryos führt (unveröffentlichte Studie von Brooker et al., 1991; mehr Infos bei Antoniou et al, 2011).
  • Verschiedene Studien zeigen, dass Glyphosat-Produkte das Hormonsystem beeinflussen. So beeinträchtigen kleine Mengen von Roundup massiv die Produktion von Testosteron- und Östrogen – zwei für die Fortpflanzung sehr wichtige Hormone (z.B. Clair et al 2012).
  • Glyphosat kann  bei Menschen offenbar die Plazenta-Schranke überwinden. So ergab zum Beispiel eine Studie, dass 15% des Glyphosats von der mütterlichen Seite des Blutkreislaufs in die kindliche Seite gelangt (Mose et al, 2008).  Auch wenn es in der Praxis nur geringe Mengen sind, ist es besonders besorgniserregend, wenn hochempfindliche Embryonen toxischen und hormonell wirksamen Substanzen ausgesetzt werden.
  • Glyphosat ist ein Störungen des Hormonsystems verursachender Wirkstoff und schädigt menschliche Plazentazellen. Effekte von Glyphosat werden durch Beistoffe von Glyphosat-Produkten (Roundup) verstärkt (Richard et al, 2005).

 

Glyphosat fördert die Entstehung neurologischer Erkrankungen

  • Es gibt Hinweise darauf, dass Glyphosat-haltige Pestizide die Entstehung neurologischer Erkrankungen fördern. Zum Beispiel zeigte eine Studie mit Kindern von Pestizidanwendern in den USA einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Kontakt der Eltern mit Glyphosat-haltigen Pestiziden und der Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). 43% der von ADHS betroffenen Kinder hatten Eltern, die Glyphosat ausgesetzt waren (Garry et al 2002).

 

 Toxische Effekte von Beistoffen in Glyphosat-haltigen Pestiziden

Pestizide enthalten neben dem eigentlichen Wirkstoff (z.B. Glyphosat) weitere Beistoffe, die verschiedene Wirkungen haben. Sogenannte Tallowamine sorgen zum Beispiel dafür, dass Glyphosat an den Pflanzen haften bleibt. Andere Beistoffe erleichtern dem Wirkstoff Glyphosat das Eindringen in die Pflanzenzellen.

Die behördliche Risikobewertung von Pestiziden fokussiert sich auf den aktiven Wirkstoff und seine Abbauprodukte – Langzeitstudien werden nur damit durchgeführt und nicht mit der Pestizidmischung (sogenannte Formulierung) mit all ihren Beistoffen.

Studien eines französischen Wissenschaftlerteams zeigte jedoch, dass Pestizidbeistoffe die Toxizität der Wirkstoffe erheblich verstärken können. So sei die Formulierung Roundup 125 mal toxischer als der Wirkstoff Glyphosat alleine (Séralini et al, 2013).

Die Reaktion der Behörden auf diese Erkenntnisse ist widersprüchlich. Einerseits erkennen deutsche Behörden an, dass POE-Tallowamine toxisch sind. Trotzdem werden keine konsequenten Schlussfolgerungen für die Risikobewertung und Zulassung von (Glyphosat-haltigen) Pestiziden gezogen: 

  • Die deutschen Behörden haben laut Auskunft des BVL zwar Pestizidhersteller davon überzeugt, POE-Tallowamine durch andere Netzmittel auszutauschen oder die Rezeptur zu verändern. Aber ein richtiges Verbot gibt es nicht. Nach wie vor gibt es noch ein glyphosat-haltiges Pflanzenschutzmittel mit POE-Tallowaminen auf dem deutschen Markt.
  • Unklar bleibt, wie toxisch nun die anderen Netzmittel sind, die POE-Tallowamine ersetzen.
  • Bestehen bleibt die Problematik der Rückstände von POE-Tallowaminen in Nahrungs- und Futtermitteln. Denn in anderen Ländern, aus denen Nahrungs- und Futtermittel importiert werden, werden POE-tallowaminhaltige Glyphosatprodukte nach wie vor eingesetzt.
  • Die Erkenntnisse zur hohen Toxizität von Beistoffen zeigt, dass die Risikobewertung und Zulassung von Pestiziden grundlegend reformiert werden muss. Nicht nur der aktive Wirkstoff, sondern auch die Beistoffe sollten in Langzeitstudien toxikologisch geprüft werden, bevor ein Pestizid zugelassen wird. Denn der Pestizid-Wirkstoff wird immer in der Mischung mit Beistoffen vermarktet.    

Das BVL hat auf Anfrage der Agrar Koordination Stellung genommen zu verschiedenen Fragen bezüglich Tallowamin-Rückständen.

Stellungnahme des BVL vom 13.5.2014